Freiheit braucht Vertrauen – Vertrauen braucht Freiheit

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Ohne Vertrauen ist eine Gesellschaft freier Menschen nicht denkbar. Jeder ist darauf angewiesen, anderen Menschen zu vertrauen, wenn er mit ihnen zusammenlebt. Das gilt überall – von den engen Bindungen in einer Familie bis hin zum Leben in einer Stadt oder in einem ganzen Land.
Wir vertrauen einzelnen Menschen, Gruppen von ihnen, Organisationen und Institutionen. dieses Vertrauen wird oft gerechtfertigt, zuweilen jedoch auch enttäuscht. Auch im Verhältnis zu staatlichen Institutionen, zur Politik ist Vertrauen entscheidend. So wollen alle Parteien, dass die Menschen ihnen vertrauen. Die Liberalen bilden hier keine Ausnahme. Mehr oder weniger erfolgreich werben sie um das Vertrauen der Wähler. Doch die Liberalen entscheiden sich von allen anderen politischen Richtungen: Sie vertrauen mehr als andere den einzelnen Menschen. Sie glauben daran, dass diese ihre Probleme am besten selbst lösen können. Sie sind überzeugt, dass Menschen selbst am besten wissen, wie sie ihre Zukunft gestalten. Sie sehen die Menschen als verantwortliche und verantwortungsvolle Wesen. Deshalb sehen sie es wichtigste (und viele als einzige) Aufgabe der Politik an, den Menschen den Rahmen dafür zu geben, ihr Leben selbst zu gestalten. Menschen sollten zuerst sich selbst und den Menschen, mit denen sie freiwillig zusammenarbeiten, vertrauen. Wenn es um Fragen ihrer Lebensgestaltung geht, um die Schaffung von Wohlstand, um die Absicherung gegen Risiken u.ä. vertrauen sie anderen Menschen, mit denen sie Verträge schließen, eher als staatlichen Systemen.

Der Staat hat den Rechtsrahmen zu setzen, der Staat sollte Grundsicherung anbieten. Darauf müssen die Menschen vertrauen können. Darüber, wie Rechtsrahmen und soziale Absicherung gestaltet werden sollen, gibt es auch unter Liberalen unterschiedliche Meinungen. Doch Einigkeit sollte darüber herrschen, dass individuelle Verantwortung immer Priorität haben sollte. Staatliches Handeln sollte diese ermöglichen und stärken, und nicht ersticken. Menschen, die dem Staat mehr vertrauen als sich selbst, werden nach und nach abhängig und zum Spielball von Demagogen aller Art. Menschen die sich selbst und ihren Mitmenschen vertrauen, werden langfristig besser fahren und mehr für ihren eigenen Wohlstand und den anderer leisten. Sie sind die Zielgruppe der Liberalen. Ihnen müssen die Liberalen helfen – gegen alle Versuche der Bevormundung.

Gerade eine liberale Partei sollte also auf Vertrauen setzen – auch bei ihren inneren Prozessen. Beim Ringen um die beste Lösung, beim Streit um Begriffe und Konzepte. Dazu gehört, denen, die anderer Meinung sind, erst einmal zuzuhören, mit ihnen Argumente auszutauschen und zuerst nach Gemeinsamkeiten zu suchen – bevor auch das Trennende diskutiert wird. Liberale Politiker sollten davon ausgehen, dass Macht, auch demokratisch erlangte Macht, noch nicht uneingeschränkte Weisheit vermittelt. Freiheit ist so essentiell für die Entwicklung und letztlich das Überleben einer Gesellschaft, weil wir alle so wenig wissen was richtig ist, weil wir die Zukunft nicht kennen. Deshalb vertrauen Anhänger der Freiheit, Liberale, auf den Wettbewerb der Ideen, auf die vielen verschiedenen Versuche, die Zukunft zu gestalten. Sie vertrauen darauf, dass immer wieder Neues entsteht und sich bewähren muss. Das muss sich in der FDP widerspiegeln, wenn sie wieder die Partei der Anhänger der Freiheit werden will. Das Leitbild der Freiheit verträgt nicht nur intensiven Meinungsstreit – es kann ohne ihn nicht überleben. Liberalismus braucht selbständige Menschen mit Selbstvertrauen, die trotz Differenzen gemeinsam für ein politisches Ziel kämpfen. Aber er braucht keine Armee von Parteisoldaten, die von ihrer Führung zuerst mit Misstrauen beäugt werden.